Der Vagusnerv – dein Schlüssel zu Ruhe, Sicherheit und innerer Balance
Der Vagusnerv ist in den letzten Jahren zu Recht in den Fokus gerückt – in der Stressforschung, der Traumaarbeit, der Psychotherapie und im Yoga.
Und doch wird er oft vereinfacht dargestellt: „Aktiviere deinen Vagusnerv und alles wird gut.“
So einfach ist es nicht. Aber: Er ist einer der wichtigsten Zugänge zu echter Regulation.
In meiner Arbeit mit NeuroYoga erlebe ich täglich, wie kraftvoll dieser Nerv wirkt – wenn wir ihn verstehen und respektieren.
Was ist der Vagusnerv überhaupt?
Der Vagusnerv ist der 10. Hirnnerv und der längste Nerv des parasympathischen Nervensystems.
Er verbindet dein Gehirn mit fast allen wichtigen Organen:
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Herz
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Lunge
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Magen & Darm
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Leber
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Milz
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Kehlkopf & Rachen
Sein Name kommt vom Lateinischen vagari – „umherschweifen“. Und genau das tut er:
Er durchzieht deinen Körper wie ein inneres Kommunikationsnetz.
👉 Rund 80 % der Informationen laufen vom Körper zum Gehirn, nicht umgekehrt.
Dein Nervensystem „liest“ also permanent deinen inneren Zustand.
Warum der Vagusnerv so entscheidend ist
Der Vagusnerv ist der Hauptnerv für:
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Entspannung
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Verdauung
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Regeneration
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emotionale Sicherheit
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soziale Verbindung
Wenn er gut funktioniert, spürst du:
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innere Ruhe
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einen gleichmäßigen Atem
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ein stabiles Herz
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klare Gedanken
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emotionale Belastbarkeit
Wenn er unterfordert oder chronisch gehemmt ist, zeigt sich das oft als:
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innere Unruhe oder Erschöpfung
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Angst, Grübeln, Schlafprobleme
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Verdauungsbeschwerden
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emotionale Überreaktionen
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das Gefühl, „nie richtig runterzukommen“
Der Vagusnerv & das Nervensystem: mehr als nur Entspannung
Ein häufiger Irrtum:
👉 Der Vagusnerv bedeutet immer Entspannung.
Tatsächlich gibt es verschiedene Vagus-Zustände.
In der modernen Polyvagal-Theorie wird unterschieden zwischen:
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ventralem Vagus → Sicherheit, Verbindung, Präsenz
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dorsalem Vagus → Rückzug, Erstarrung, Erschöpfung
Das heißt:
Nicht jede Ruhe ist gesund.
Und nicht jede Aktivierung ist Stress.
NeuroYoga arbeitet deshalb nicht mit „Beruhigung um jeden Preis“, sondern mit feiner Regulation.
Warum Yoga den Vagusnerv direkt anspricht
Yoga wirkt nicht nur auf Muskeln oder Faszien – sondern direkt auf dein Nervensystem.
Besonders vagusfreundlich sind:
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langsame, bewusste Bewegungen
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Atemverlängerung (vor allem die Ausatmung)
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weiche Dehnreize ohne Leistungsdruck
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achtsame Körperwahrnehmung
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eine klare, sichere innere Ausrichtung
Im NeuroYoga nutzen wir diese Elemente gezielt, um dem Nervensystem Sicherheit statt Überforderung zu vermitteln.
Typische Mythen rund um den Vagusnerv
❌ „Mehr Atemtechnik hilft immer.“
→ Zu intensive Atemübungen können ein überreiztes Nervensystem verschlimmern.
❌ „Kälte aktiviert den Vagusnerv bei allen.“
→ Kälte kann regulierend sein – oder retraumatisierend.
❌ „Man muss nur entspannen.“
→ Ein dysreguliertes Nervensystem braucht oft zuerst Orientierung und Stabilität, nicht Entspannung.
Vagusnerv regulieren – aber richtig
Eine nachhaltige Vagus-Regulation braucht:
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Langsamkeit
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Wiederholung
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Körpersignale ernst nehmen
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keinen Druck, kein Ziel
Im NeuroYoga arbeiten wir deshalb mit:
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sanften Yin-Positionen
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neurobiologisch fundierten Übergängen
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inneren Bildern & Orientierung
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Atem, der folgt – nicht dominiert
So entsteht Regulation von innen heraus.
Für wen ist vagusorientiertes Yoga besonders wertvoll?
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bei Stress & Erschöpfung
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bei Angst & innerer Unruhe
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bei Schlafproblemen
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nach emotional belastenden Phasen
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bei Hochsensibilität
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bei dem Gefühl, „ständig im Alarmmodus“ zu sein
Und auch präventiv – als Nervensystem-Pflege.
NeuroYoga: mehr als ein Trend
Der Vagusnerv ist kein Wellness-Thema.
Er ist ein zentrales biologisches Sicherheitsorgan.
NeuroYoga verbindet:
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moderne Neurobiologie
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klassische Yogatradition
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tiefe Körperintelligenz
Damit Yoga wieder das wird, was es ursprünglich war:
ein Weg zurück in Verbindung – mit dir selbst.